Freitag, 1. April 2016

200 Jahre Lagavulin - Lagavulin 8 Years Old

Nun feiert also auch Lagavulin sein Bicentenary. Schön, aber eigentlich egal, wenn es da nicht eine erste Sonderabfüllung zum Jubiläum gäbe. "Ach was", sagen Sie und gähnen herzhaft. Das sei Ihnen gegönnt, doch der brandneue 8jährige, der für rund 50 EUR dieser Tage auch in die deutschen Fachgeschäfte kommen soll, hat es in sich. 
Von Refill American Oak ist die Rede. Auf fünf verschiedene wood types und maskierendes Hin- und Hergefinishe wird verzichtet. Fein, das bewahrt zu 100% den Charakter der, seien wir ehrlich, dann eben doch wieder geilsten Islaybrennerei. Die Flasche aufgerissen, strömt zunächst Krankenhausgeruch - präzise aus der Gipserei - in den Tastingraum. Dann das übliche Meeres- und Küstengedöns. Wie machen die das, wenn doch Diageo gar nicht alles vor Ort lagert? Mist, Mist, Mist... Nein, nicht in der Nase, da bleibt er frisch. Im Mund dann etwas Süße, aber längst kein Virgin/Bourbon-Vanilleschock. Rauch und alles was dazu gehört. Dabei bleibt der junge Kerl verdammt ausgewogen und immer auf der trockenen Seite - kein (sorry) Crowdpleaser. Langes Finish. 
Fazit: Ja, so lässt es sich feiern! Kein PR-Generve und wochenlanges Abnutzen der F5-Taste. Einfach guter, öliger Whisky in perfekter Trinkstärke (48% Vol.), der eher Luft statt Wasser braucht, und der in offenbar größerer Menge (Ich hörte von 20.000 Flaschen) für nen schlappen Fuffi zu haben ist. Perfekter Körper und elegant trotz aller Kraft. So erinnert der Lagavulin an Clairin, Spitzenmezcals und Kilkerran - ist eben ein Topspirit, der das Niveau der 12yCS mitgehen kann. SO macht man das! Whatadrink!

Freitag, 25. März 2016

Rum von Compagnie Des Indes

Falls Sie sich wundern, dass ich noch nichts zu den Rums der Compagnie Des Indes (CDI) geschrieben habe, hat dieser unrühmliche Zustand nun ein Ende, denn vor ein paar Wochen weilte CDI-Boss Florent Beuchet auf Einladung von Liquidtasting im Münchner Patolli, um eine ausgebuchte Masterclass zu halten. Das habe ich mir nicht entgehen lassen und konnte so einige Infos zusammentragen, um die vielleicht schon bekannten Artikel hier und da zu ergänzen bzw. einige Neuigkeiten anzufügen.
 

Florent Beuchet, der einen Wein- und Absinthebackground hat und zwei Jahre für Banks Rum in New York gearbeitet hat, macht eigentlich nichts Neues: Er kauft Rumfässer aus verschiedenen Quellen, kreiert eigene Blends und füllt besondere Rums als Einzelfassabfüllungen ab. Von letzteren sollen es von 2014 bis zu unserem gemeinsamen Tastingtermin 34 Stück gewesen sein. Respekt. Alle CDI-Rums wurden übrigens nicht kältefiltriert.

Wir beginnen mit einem jungen Blend namens Caraibes. Der besteht aus drei- bis fünfjährigen Melasserums aus drei Ländern - Barbados, Trinidad und Guyana - aber aus 4 Destillerien. Obwohl hier eine Dosage - sprich ein Zusatz von Rohrzucker - von 15 Gramm/Liter zugegeben wurde, ist der Caraibes nicht zuckrig und in Zukunft soll er auch keine Färbung (mittels Farbstoff E150) mehr bekommen. Letzteres hat er auch nicht nötig - schließlich verwendet CDI nur grüne Flaschen. Habe ich schon geschrieben, dass das ein sehr schöner und runder Rum für unter 30 EUR ist?

Absolut brauchbar und absolut nicht langweilig ist der Latino. Ebenfalls ein Rumblend, der zum Großteil aus Guatemala-Rum aus dem Hause Botran/Zacapa besteht, welcher bekanntlich aus sog. Virgin Cane Honey destilliert und in Virgin Oak-Fässern gelagert wird. Der Rest im mindestens fünfjährigen Blend kommt wieder aus den beim Caraibes verwendeten Quellen. Die Lagerung dieser Rums fand aber in Ex-Bourboncasks statt. Der Latino kostet in unseren Breiten derzeit ca. 35 EUR. Auch das ist ein fairer Preis für einen gut gemachten, ungefärbten 40%-Rum (der auch mit 15 g/l Rohrzucker abgerundet wurde). Ist der Im Abgang sogar etwas kürzer als sein Bruder? Egal, ich hab schon viel zu viel über Blends geschrieben...
Aber der nächste Rum ist ja auch wieder ein Blend. Diesmal kommen 5jährige Potstill-Destillate aus den jamaikanischen Betrieben Worthy Park, Monymusk, Hampden und - äh - Wray&Nephew/Appleton (?) in das Blendingfass und werden letztlich auf 43% Vol. reduziert. Die Nachzuckerung beträgt 10 g/l und der Rum heißt passenderweise Jamaica. Feiner Stoff für ebenfalls rund 35 EUR. Mich erinnert er an süßes Gebäck. An dieser Stelle fällt mir noch ein, dass Maitre Beuchet erzählt hat, dass er die Reduzierung auf Trinkstärke in Schritten von 5% pro Woche vornimmt. Beim 57%igen Jamaica Navy Strength geht das also etwas schneller über die Bühne. Dessen Bestandteile sind die gleichen wie in der 43er Version, nur entfällt hier die Nachzuckerung. Kurzum: Ein Jamaika-Potstill-Knaller! (Preis ca. 40 EUR) - Whatadrink!

Sie wissen was sich hinter dem Begriff Batavia Arrak verbirgt? Gut. In Deutschland sind einige hochprozentige Arraks verfügbar, die zur Verwendung in einem winterlichen Heißgetränk durchaus taugen. Aber ein zehn Jahre gelagerter Arrak aus Indonesien? Den hat nur CDI im Programm. Fünf Fässer (Ex-Heaven Hill-Bourbon) konnte sich Beuchet sichern (die genaue Herkunft hält er geheim) und deren Inhalt sind die rund 60 EUR pro Flasche wert. Cremiges Zuckerrohr, Zuckerrohr und Zuckerrohr und dazu Vanille, exotische Gewürze undundund... Die 43% Vol. waren übrigens annähernd die Fassstärke.

Dahinter müssen - zumindest in meiner kleinen, versauten Rumwelt - der grundsolide Barbados Rum von Foursquare (12 Jahre alt, 45% Vol., ca. 60 EUR) und der fruchtig-trockene Haiti aus dem Hause Barbancourt (11 Jahre, 59,4% Vol., ca. 70 EUR) etwas zurückstehen.

Zum Abschluss der Vorstellung kam dann noch ein besonderes Schätzchen ins Glas. Ein Demerararum aus der Port Mourant Still mit 13 Jahren und mit satten 58% Vol. Dieser Guyana kommt - ähnlich wie die Diamond 2003s von Duncan Taylor - mit geringem Holzeinfluss würzig, teerig, ölig und eben spirit driven daher. Um es auf den Punkt zu bringen: Ziemlich geiles Zeug. Ein nicht unbedeutender Whiskyblog hatte ein Schwestercask kürzlich mit Lob überschüttet - ich kann das nachvollziehen. Whatadrink!

Florent war übrigens so freundlich für die Veranstalter ein passendes Tastingpaket zu kreieren, das man hier ordern kann. Was gibt es sonst Neues? Zum einen wird es eine Einzelfassabfüllung nur für den deutschen Markt (Juhu!) und zum anderen einen Nachfolger für den heißbegehrten und längst ausverkauften Boulet De Canon (Ex-Scotch-Whisky-Fassfinish - Talisker) geben. Der Boulet De Canon 2 kommt mit 50% Vol. aus einem Ex-Caol Ila-Fass und wird im April 2016 erwartet. In seinem Lager, so gab Monsieur Beuchet mir bereitwillig Auskunft, hat er aktuell knapp über 30 Rumfässer. Genug also, um uns in den nächsten Jahren weiter zu versorgen. 
Sorgen machen mir aber die Preise. Die Lagerbestände der Destillerien und Caskbroker bei den über 10jährigen Rums sind kaum mehr der Rede wert. Die wenigen "alten" Fässer werden also im Preis weiter steigen und auch CDI wird die bislang moderaten Preise auf Dauer nicht halten können. Galt kürzlich noch der Satz "Rum ist noch viel günstiger als Whisky", so haben die Preiskorrekturen einiger Rumabfüller dies bereits jetzt ad absurdum geführt. Für manch 6- oder 10jähriges Destillat werden da doch locker mal 150 bis 250 Euro aufgerufen. Für Anleger und Spekulanten gilt also: Kauft mehr Rum! Für den Genießer gilt natürlich: Trinkt mehr Rum!


Kleingedrucktes: Ich wurde zu der o.g. Veranstaltung eingeladen. Niemand hat mich gezwungen diese Lobeshymne zu schreiben. Wahrscheinlich krieg ich auch nix dafür. Mist.

Dienstag, 8. März 2016

Whiskyleaks: Ardbeg Dark Cove (a kind of English version)

After the great success of this post in German, now I try the first (and last) english article here on Whatadrink!, because I do not believe what the online translators are delivering (What an idiot of a blogger, you might think). Please excuse...

 (Merci, Serge! More)

I have written about Ardbeg (The Ultimate Scotch Single Malt Whisky) and collapsing whisky bubbles here on the blog in the past very often - once as a naive fan, once in a more critical way. But getting onto LVMH's blacklist (and not receiving any goodies anymore) must be the independent blogger's aim. During their Bicentenary in 2015 the Ardbeggians brought out some new stuff, but I have not written very much about.

Because of that, I am very happy to report for you about the brandnew Ardbeg Dark Cove. At Munich's whisky fair (where I have not been) someone said, that it will come out end of march. You all know the labels registrated at the TTB in the U.S. of a so-called Special Committee Only Edition 2016 with 55% Vol. and a black labeled with 46,5% Vol. The same procedure as every year...

Last week some of these Committee-only bottles were sold at an auction (for hundreds of Euros) and I could also get one of these bottles. I asked the seller, who bought the bottles and he answered, that one went back to the UK (Bring it home, Buddy), one went to Switzerland (Grützi!) and two bottles went to Stuttgart (the home of Mercedes-Benz, that may be a kind of a german Taiwan or even Singapore). They also tried to sell an empty box, but I do not know the auction result and the origin of the buyer.


(Speculators nowadays sell boxes, too)

The Committee-Dark Cove doesn't come in a box or tube. But it has a small booklet around the neck with some notes about Ardbeg's history during the earliest days of whisky making on Islay (They write: "It was a moonless night..." and "They crept through the woods under cover of darkness..."). So you'll see, what is the heart of the Dark Cove-Marketing: colour! Backlabel: "Its colour is that of copper stills in moonlight" and "For it is Ardbeg's darkest spirit ever.". Official tasting notes - section colour: "The darkest Ardbeg ever.". Well, why do I only talk about that? Because the colour of this spirit (it's "heart has been matured in DARK SHERRY CASKS") is just a very little bit darker than Uigeadail, but it is galaxies away from the 2011 Feis Ile bottling (from two Pedro Ximenez sherry casks, you remember). Do not think about single sherry casks from the 1970s. Darkest ever??? OK, when thinking about the official bottlings from the last three or four years or maybe in a moonless night, but I think that is 100% marketing.
(from the left: Feis Ile 2011, Uigeadail, Dark Cove)


In some german Ardbeg embassies, they will held pre-tasting sessions in march. One of them - Reifferscheid in Bonn - wrote on their homepage, that after lots of Perpetuum in 2015 there will be very very less bottles of Dark Cove on the german market. That's true - until today I count six bottles. Well, an embassador should know the truth, shouldn't he?

What we know after opening my Dark Cove and tasting it with some friends is, that on the nose we have a cold ashtray with a dried vanilla pod lying in it. Dark Cove is sweeter as Uigeadail in the beginning - on the tip of your tongue. The whisky has a small sherry heart that harmonizes very good with the ex-bourbon stuff. The coffee from the official notes is no espresso, but a mild filter coffee with a little bit of sugar and the chocolate is milk chocolate. It is spicy and one taster said, that he remembers smoked blood oranges (a taster with enormous experiences). The smoke fits very well to these flavours and we find a dry and long finish, that is normally not always common with younger whiskies. Air and some water helps! In my eyes Dark Cove is to Uigeadails (from the last five years), what the new Glenmorangie Lasanta (with P.X. matured whisky in the recipe) is to it's older batches. This is a good and very dangerous Ardbeg. Very drinkable. But it is not the big one or even a sherry monster, that some guys are waiting for. 

Update: This Committee bottling was available here in Germany for around 20 minutes. Price: 81 EUR.

If you want some more information and you live in Germany, than ask Moët Hennessy Deutschland GmbH, Seidlstrasse 23, 80335 München, Tel. +49 89 99421- 0  Fax: -500 

(Merci beaucoup, Serge! More more more)

And here the official tasting notes:



With tears in my eyes I tried a translation:

Cold. Whiskey is available at Penny for 10 EUR the bottle
No, there are Blended's with E150
And a blend is not Whiskey? Once again I am getting more clever...
What the hell are Blended's?
And what have Blends to do with Whiskey? A propos, read about the difference of Whisky and Whiskey.
Ardbeg Oogie - and everything is good. Ten for beginners. Nothing more

Update: Here is the brandnew official video...

‪#‎ardbegdarkcoveisthedarkestardbegevertheysaidinadarkdarknight‬

Montag, 7. März 2016

Whiskyleaks: Ardbeg Dark Cove

 (Merci, Serge! Mehr davon hier)

Über Ardbeg (The Ultimate Scotch Single Malt Whisky) und platzende Whiskyblasen habe ich hier öfters berichtet - mal als naiver Fan, mal als kritischer Beobachter, als welcher man auf der berüchtigten Blacklist landen kann und dann auf Samples und Einladungen vom Stammhaus LVMH verzichten muss. Letztlich sollte aber doch gerade dieser Status das Ziel eines unabhängigen Bloggers sein, oder? Zuletzt habe ich mich etwas zurückgehalten, denn es gab selbst zum Bicentenary in 2015 wenig (wirklich) Neues zu berichten.

Gerade deshalb erfüllt es mich nun mit Freude, dass ich Ihnen heute über Ardbegs neuesten Streich, den Dark Cove berichten kann. Bei der Münchner Fachveranstaltung Finest Spirits war kürzlich hinter vorgehaltener Hand zu vernehmen, dass der Dark Cove "Ende März kommt". Die Labels einer sogenannten Special Committee Only Edition 2016 mit 55% Vol. und einer Version mit 46,5% Vol. und schwarzem Etikett kursieren seit Oktober 2015 ja schon auf den einschlägigen Internetseiten. The same procedure as every year...

Letzte Woche tauchten plötzlich einige Dark Cove-Committee-Flaschen (und ein leerer Karton!) auf einer Auktionsplattform auf (Die Endpreise - für die Flaschen - lagen im dreistelligen Bereich). Ich hatte kurz entschlossen einen nicht unbeachtlichen finanziellen Aufwand auf mich genommen, um eine Flasche zu ergattern und für Sie darüber zu berichten. 


(Jetzt wird auch noch mit Verpackungsmaterial herumspekuliert.)

Eine Box oder Tube hat man dem Committee-Dark Cove nicht spendiert. Aber er hat ein Anhängerle um den Flaschenhals. Darin geht es ausführlich um die Frühgeschichte der Whiskybrenn- und -schmuggeltätigkeit am Standort Ardbeg (Zitat: "It was a moonless night..." und "They crept through the woods under cover of darkness..."). So wird der Endverbraucher zur Kernaussage des Dark Cove-Marketing hingeführt: Seiner Farbe. Auf dem Rückenetikett steht geschrieben: "Its colour is that of copper stills in moonlight" und weiter "For it is Ardbeg's darkest spirit ever.". Die offiziellen Tastingnotes befinden unter der Rubrik Colour: "The darkest Ardbeg ever.". Warum ich so darauf herumhacke? Weil ich mir diesen Ardbeg dessen "heart has been matured in DARK SHERRY CASKS" (Quelle: Flaschenetikett) dann doch ein bisschen dunkler vorgestellt habe, als er nun im Glas ist. Bei viel gutem Willen ist er einen Tick darker als ein Uigeadail, aber Welten von z.B. der offiziellen Feis Ile 2011 Abfüllung (aus zwei Pedro Ximenez-Sherryfässern) entfernt (von 70er-Jahre Singlecasks ganz zu schweigen). Darkest ever??? Wenn man die offiziellen Flascherln aus den letzten drei oder vier Jahre nimmt, vielleicht. Ansonsten gilt das nur in einer mondlosen Nacht (und keinesfalls im Mondlicht) und ist 100% Marketing ohne jeden Hintergrund.
(v.l.n.r.: Feis Ile 2011, Uigeadail, Dark Cove)


Kennen Sie die Firma Feinkost Reifferscheid in Bonn? Das ist eine offizielle Ardbeg Embassy. Nichts besonders? Stimmt, davon gibt es inzwischen einige. Hier und da soll es noch im März Pre-Tastings des Dark Cove geben (Googlen Sie selbst oder fragen Sie Ihre nächstgelegene Embassy). Reifferscheid bietet gleich zwei Termine an und schreibt dazu u.a. "...Da aber nach 2015, dem Jubiläumsjahr mit einer großen verfügbaren Menge an Flaschen des Perpetuum, in diesem Jahr leider nur sehr sehr wenige Flaschen des "Dark Cove" auf den deutschen Markt kommen werden,...". Sehr sehr wenige? Nun, die Botschafter sollten es ja wohl wissen.

Was wir nun aber - nachdem ich die Buddel aufgerissen hab und sich ein kleines Tastingpanel darüber hergemacht hat - definitiv wissen ist: Der Dark Cove ist ein gelungener Ardbeg der neuen Generation. Die Nase kommt mit dem bekannten erkalteten Aschenbecher auf uns zu, in den jemand eine vertrocknete Vanilleschote gelegt hat. Ein wenig süßer dann der Start als beim Uigeadail. Das Sherryherzchen ist präsent und bildet eine Einheit mit dem Bourbonstoff. Der angekündigte Kaffee ist vielleicht ein runder Filterkaffee mit etwas Zucker und kein Espresso - und die Schokolade ist eine zarte Milchschokolade statt einer bitteren 100%-Kakao-Tafel. Spicy ist er auch. Ein Tester legt sich auf geräucherte Blutorange fest (Gut, wenn er meint). Der Smoke ist auf jeden Fall gut eingebunden. Hintenraus ist der Darky trocken und scheint dann doch länger als bei U12-Whisky üblich. Ein wenig Wasser und viel Luft tun ihm gut. Hm. Denken wir an Dark Cove und Uigeadails (aus den letzten fünf Jahren), drängt sich mir der Vergleich zu den früheren Batches des Glenmorangie Lasanta und den aktuellen Abfüllungen mit mehr P.X.-Anteil im Blend auf. Fazit: Ein guter, gefährlich süffiger Ardbeg. Der große Wurf, auf den der eine oder andere seit ein paar Jahren wartet, ist er für mich nicht, aber den gab es ja auch zum 2000. Geburtstag nicht (wenn man den 3000-Pfund-1815 mal außen vor lässt). Das von manchem erwartete Sherrymonster ist auch in seinem dunklen und kalten Versteck geblieben. Zum Trost gibt es immerhin die beschriebene exklusive Comedy-Committee-Abfüllung für Liebhaber, Sammler und Spekulanten. 

Wann und unter welchen Voraussetzungen diese wo zu erwerben sein wird und ob es dann wirklich noch eine reguläre 46,5%ige Version geben wird, weiß ggf. der deutsche Vertrieb den Sie hier erreichen können, wenn Sie Aufklärungsbedürfnis haben: Moët Hennessy Deutschland GmbH, Seidlstrasse 23, 80335 München, Tel. +49 89 99421- 0  Fax: -500

Update: Am heutigen 15. März war die Committee-Flasche im offiziellen Onlineshop rund 20 Minuten lang für 81 EUR bestellbar. Die mit offiziellen Probefläschchen und Presseinfos gebauchpinselten ausgestatteten Journalisten, Blogger und sonstigen Whiskypromis durften erst 30 Minuten vor dem Start des Shops ihre Ergüsse verbreiten. Ich hab das diesmal ganz locker ne Woche früher machen können und durfte mich auch kritisch äußern ohne bösen Anruf. Das macht mehr Spaß - oder mehr whiskyfun:
(Merci beaucoup, Serge! Noch mehr davon hier)

Wer statt meinem Gestammel lieber die offiziellen Tastingnotes zu Rate ziehen möchte, hier bitte:
Und zum Abschluss - damit wir noch den letzten Rest vom Niveau über Bord kippen - noch ein besonders gelungenes Unboxingvideo aus den Weiten des Internets und ein Zitat aus einem Internetforum...




Update: Here is the brandnew official video...



#‎ardbegdarkcoveisthedarkestardbegevertheysaidinadarkdarknight‬

Dienstag, 23. Februar 2016

The First Posts For 2016 - heute: Euro Rye Whisky

Wie mir scheint, sind nun alle Whisky/Rum/Spirituosenpreise zum Jahreswechsel vergeben und Ruhe an der Awardsfront eingekehrt, außer irgendein Blogfuzzi packt noch ne "Best Of"-Liste aus. *Gähn* Selbst die ehrwürdigen Malt Maniacs haben bei ihren Awards im Dezember wenig Neues präsentiert: Der beste Sherrywhisky kommt aus Taiwan (klar), Lagavulin, Caol Ila und Amrut können getorftes Zeug machen (auch klar), Irland kann Malt (längst klar) und die besten Tröpfchen kann man in Taiwan kaufen (Hä?). Ja, von den ersten 20 Malts im Ranking wurden geschlagene 11 in Taiwan produziert oder für Taiwan abgefüllt. Tja, so ist das bei einem internationalen Blindtasting. Da gewinnen nunmal die Besten der Besten (die mitgemacht - sprich: die ihren Stoff dort eingesandt haben). Lesen Sie dazu auch Keith Woods Bericht und seine Probleme mit DHL, Importzöllen, Versandkosten usw. Whatadrink! wird daher vorerst keine vergleichbaren Awards veranstalten - versprochen. Aber ich schweife ab...

Eigentlich wollte ich ein paar Worte über Ryewhisky verlieren. Nein, nicht das Zeug, das uns manche fragwürdige U.S.-Craft-Distillery zu gehobenen Preisen übern großen Teich schickt. Nö. Diesmal gehts um Euro-Rye (Ja, ich weiß, dass Sie die Überschrift gelesen haben).

Yeah!, sagt der Amerikaner trotzdem und wir gedenken einem 100%igen, superjungen  Rye im Wildweststyle, der vor ein paar Jahren aus San Francisco zu uns kam: Der Old Potrero. Lange bevor Rye wieder Mode wurde war das. Erhältlich sind, nach einer zwischenzeitlichen Ebbe, in unseren Breiten derzeit 2 Varianten davon - allerdings muss man recht tief in die Tasche greifen (>100 EUR). Aber es ist Asskicking Stuff. Was gibt es also an Alternativen, wenn wir an einen brauchbaren 100%-Rye haben wollen?
Da fällt mir zum einen der Millstone 100 Rye Whisky aus der niederländischen Zuidam Destillerie ein, der sich doch glatt Dutch Single Rye Whisky nennt. A new category is born! Im Ernst: Das ist seriöser Rye. Nicht so brennend hot und metallic, wie manch jüngerer/älterer Ami, aber dafür fruchtig, rye-würzig und ausgereift. Eben in Europa und nicht im heißen Kentucky gelagert. Die 100 steht für 100proof (= 50% Vol.), 100% Roggenmalz und mindestens 100 Monate (> 8 Jahre) Reifung in neuen amerikanischen Eichenfäßchen (Das mit 100% aus Windmühlen lasse ich weg.). Angenehmerweise kann man die 0,7l-Flasche für 50-60 EUR beziehen. Ihnen kommt der Willett-Rye schon zu den Ohren raus? Dann checken Sie mal den Mühlstein. Tip: Es werden hier und da auch über 10jährige Einzelfassabfüllungen verkauft. Die Sherryfass gelagerten Single Malts von Millstone sind auch ganz nett - aber das würde jetzt zu weit führen.
Einen ganz anderen Ansatz verfolgen die Mitbewerber von Vulson Rye, der in der Domaine des Hautes Glaces Alpine Farm Distillery produziert wird. Auch er ist, wie der Potrero und der Millstone, ein reiner Potstill-Rye. Gestartet waren die Franzosen mit dem White Rhino Rye - Alpine Spirit, einem mehr oder weniger ungelagerten (von 18 Monaten ist die Rede) Destillat aus Edelstahltanks mit 41% Vol. Oder sagen wir es so: Das ist/war ein sehr gut gemachter, reiner Roggenbrand. Nun aber gibt es den Old Rhino Rye Whisky. Old? Yes, it's whisky und damit hat sich der Stoff mindestens drei Jährchen in Eichenfässern aufgehalten. Maestro Xavier Padovani hat seine Finger mit im Spiel, was mich zu dem Irrglauben brachte, dass mich dieser feine Herr mit Hintergrundinfos eindecken würde. Nun, trotz mehrmaligem Emailkontakt und Übersendung einer Fragenliste bekam ich nach zweimonatigem Warten immerhin die technical sheets mit den Maßen der beiden hübschen Buddels und den offiziellen Tastingnotes ins Postfach. Was habe ich gelacht. Aber zurück zum Old Rye itself: Ja, das ist jetzt schon was ganz anderes. Der Vergleich mit anderen Metaspirits wie Mezcal, Clairin oder jungem Rum aus der Port Mourant Still drängt sich wirklich auf. Vulson kommt mit Teignoten, frischem Roggenbrot (ach was) und einem Touch Obstbrand daher. Zuerst Mandarinen und Mango und dann noch starker, holzgelagerter Williams aus dem Wallis (kleiner Scherz). Salzstangerln. Ein Rye, der mit 45% Vol. Rückgrat hat und nach einem Mixed Drink schreit. Eine blütenweise Leinwand für einen ambitionierten Mixologen. Blöd, dass der Preis um die 70 EUR (brutto) liegt. Die Leutchen haben übrigens auch nen Single Malt, aber ich wage nicht nachzufragen und Whisky machen in unserem Nachbarland heute eh schon über 40 Destillerien (siehe Karte).

Freitag, 19. Februar 2016

Whatadrinks exklusives Sample-Set bei Liquid Tasting

Vor einigen Tagen fragte mich einer der Herren von Liquid Tasting, ob ich nicht ein paar meiner Lieblingsschnäpse zu einem Whatadrink!-Tastingset zusammen stellen möchte. Einfach so und ganz ohne Entgelt. Da war ich natürlich sofort dabei.

Liquid Tasting? Was ist das denn? Eine berechtigte Frage. In den letzten Monaten sind einige neue Onlineshops aufgepoppt, die nicht nur flaschenweise Spirituosen verhökern, sondern die sich besonders auf das Abfüllen und Versenden von kleinen Probefläschchen spezialisiert haben. Die gibts dann einzeln, in Sets oder gar im Abo. Die Gräfelfinger Firma Liquid Tasting bietet derzeit verschiedene 5er-Probierpackerl an, die thematisch gruppiert wurden. Einzige Ausnahme bisher: Das Whatadrink!-Set, denn darin sind je ein Rum, ein Rhum, ein Scotch Whisky, ein American Whisky und ein Gin enthalten. Alle fünf zum Genießen, Entdecken und Spaßhaben ausgewählt. Hier ein paar Infos dazu:

Kilkerran WIP IV Sherry Wood, Single Malt Scotch Whisky, 46%

Früher gabs im Städtchen Campbeltown an jeder Ecke eine Whiskybrennerei, was dazu geführt hat, dass Campbeltown noch heute als eigenständige Whiskyregion gilt. Führend ist heute die Springbank Distillery, die mit Hazelburn (3-fach destilliert) und Longrow (getorft) gleich noch zwei weitere mehr oder weniger eigenständige Marken herstellt. Mit Wm. Cadenhead gehört einer der nach meiner Meinung aktuell besten unabhängigen Abfüller von Whisky, Rum und Cognac und die wiederaufgebaute Glengyle Destillerie mit zum Firmenimperium. In letzterer wird der Kilkerran destilliert, der 2015 in der Work-In-Progress genannten Serie als mittlerweile ca. 11jähriger Malt aus Bourbon- bzw. Sherryfässern abgefüllt wurde - ungefärbt und ohne Kältefiltrierung mit 46% Vol. Im Segment der vorherrschenden No-Age-Statement Scotch Whiskys ist das ein wohltuend altmodischer Malt mit ein wenig Rauch. (Bitter)Orange herrscht vor und der Sherryeinfluß (Wurden große Butts verwendet?) hält sich in Grenzen. Nüsse und Tabak. Cremig und Ölig zugleich zeichnet ein langer Abgang den Kilkerran aus. Auch der Pfeffer scheint nicht zu sehr durch. Fazit: Die Sherryvariante entwickelt sich langsamer als die hochgelobte Bourbonfass-Abfüllung, hat aber über die letzten Jahre schon deutlich an Komplexität gewonnen. Ein ehrlicher Sauf- und kein Sammelwhisky und der richtige Einstieg in das Sampleset.

J. Bally Millésime 2000, Rhum Agricole, Martinique, 43%

Ich sehe schon, dass ich viel zuviel labere und zudem schon wie ein Werbetexter klinge. Machen wir es also diesmal etwas kürzer. Der Bally ist ein echter Jahrgangsrum, wurde  und kommt mit dem AOC-Siegel für Rhum Agricole von Martinique - d.h. er ist nicht gezuckert und wird aus frischem Zuckerrohrsaft destilliert. Das Alter wird nicht angeben, dürfte aber bei mindestens 10 Jahren liegen. Im Vergleich mit einigen anderen gelagerten Agricoles, kommt mir der Bally süßer vor ohne jedoch ein Süßrum (wie z.B. Zacapa, Botucal, Don Papa, diverse Rums aus der DomRep etc.) zu sein. Er ist einfach zugänglicher und beinhaltet schöne Noten von tropischen Früchten (Banane, Ananas) zur würzig-trockenen Eiche. Für mich ist er irgendwie ein Dauerbrenner. Schade, dass seine Alkoholstärke mit dem Jahrgang 1998 von 45% auf 43% reduziert wurde, aber das lässt sich verschmerzen. Dafür bestehen zwischen den einzelnen Jahrgängen zum Teil große Unterschiede - die weniger in der Qualität, sondern vielmehr in der Ausprägung der Aromen liegen (also mal fruchtiger, mal würziger, mal mehr Lakritze, mal mehr Eiche, usw.).

Caroni aged 12 years, Extra Strong, 100% Trinidad Rum, 50%

In zwei Worten: Echter Rum! Der Stoff wurde laut Etikett (übrigens dem historischen Erscheinungsbild aus den 1940/1950ern nachempfunden) im Januar 2000 in der kurze Zeit später geschlossenen Caroni Distillery gebrannt und dort 12 Jahre bis zur Abfüllung in 2012 gereift (mehr zur Geschichte finden Sie hier). Bei Caroni wurden in Pot- und Columnstills leichte und schwere Rums hergestellt. Hier vermute ich einen Blend aus den beiden Stilen, denn allzu perfekt erscheint die Balance von Würze, Frucht, Gummi(reifen) und Teer (!). Dazu dezenter Rauch von einem entfernten Holzfeuer am Strand. Rumrosinen natürlich, Trockenfrüchte und überreife Bananen. Ölig und trocken ausklingend. Der italienische Abfüller Velier hat nach eigenen Angaben noch Vorräte für ca. fünf Jahre. Wenn Ihnen dieser Rum mundet, sollten Sie also jetzt über die Anschaffung der ein oder anderen Flasche nachdenken. Im Moment ist einiges am Markt verfügbar.


Alambic's Special Caribbean Gin, Single Cask Super Premium Scotch Gin, 65,6%

Gin wird zur Zeit ganz einfach zu Tode geritten. Ländergin, Städtegin, Dörfergin, Terroirgin und Gin, der sich nur über Packaging definiert. Dazu Selleriegin und neu (!) Elderflower Potato Gin. Längst gibt es in Europa über 1000 verschiedene Gins zu kaufen. Ginologe muss ein anstrengender Beruf sein. Ein Trend ist auch fassgelagerter Gin. Meist beschränkt sich die Lagerzeit aber nur auf ein paar Wochen. Wirklich aged ist der vom Abfüller Alambic Classique verkaufte Gin, der mir (noch) in einer 13jährigen Version vorliegt (wad! hat bereits zweimal darüber berichtet und das Ding ausgiebig beschrieben). Mein Lagerbestand an 2011er Flaschen geht aber langsam zur Neige. Aktuell sind die 15- bzw. 16jährigen, die ebenso die beschriebene Kräuternote mitbringen und mal mehr und mal weniger Citrus abbilden. Mit jeweils über 60% Vol. sind das echte Ginbomben. OMG! Der gibt dem Affen ordentlich Zucker (wenn Sie wissen, was ich meine). Probieren Sie ihn ruhig pur mit ein paar Tropfen Wasser, die Sie wie die Maltfreaks mittels Pipette zugeben. Sie werden merken, wie sich das Destillat verändert und in der Nase und auf dem Gaumen noch mehr Kräuternoten zum Vorschein kommen.

Booker's Kentucky Straight Bourbon Whiskey, 63,2%

1. Das ist das Beste, was Jim Beam aus seinen Whiskyfabriken und Lagerhäusern auswirft. 
2. Zusammen mit Blanton's von Buffalo Trace gehört der Booker's zu den Pionieren der Small Batch Bourbons (hier ca. 250-300 Fässer je Batch). 
3. Der Juice ist je nach Abfüllung zwischen sechs und acht Jahren alt. 
4. Die Alkoholstärke von über 60% schreit - auch bei geübten Trinkern - nach etwas Wasserzugabe (Pipette).
5. Kann man so trinken, sollte man aber auch in einem schön gerührten Old-Fashioned genießen. 
6. Beam hat zuletzt eine neue Nummerierung seiner Batches eingeführt. Statt etwas krytischen Kürzeln wie z.B. C00-K-15 o.ä. bedient man sich nun simpler 2015-01, 2015-02 usw. Blöd nur, dass es parallel eine Reihe von Sonderveröffentlichungen gibt, die gleichermaßen durchnummeriert und dazu mit einem lustigen Namen (z.B. 2015-02 Dot's Batch) versehen sind. 
7. Achso, zum Bourbon itself: Geben Sie der Nase Luft (und etwas Wasser), dann erschnüffeln wir die berühmten Sägenspähne, Vanille, Kokosnuss, Eiche (of course) und auch etwas Marzipan. Dann Orange, Zimt (!), Ingwer und Kokos. Big Bourbon for big boys.

Dieses tolle (?) Sampleset (5x 4cl) können Sie hier bestellen. Whatadrink! (oder auch nicht).

Freitag, 18. Dezember 2015

The Last Posts For 2015 - heute: Ron Del Cantinero

Nach nicht soooo guten Erfahrungen hatte ich mir eigentlich vorgenommen, keine Reviews auf Anregung von Freunden und guten Bekannten mehr zu schreiben, wenn die mit Sätzen à la "Hier mein neuer Whisky/Rum/Wodka/Obstbrand/Gin/Bier- und Kräuterlikör usw. Kannst Du da nicht was drüber schreiben?" ankommen. Falls man das Gesöff nicht über den grünen Klee lobt, ist man unten durch. Schreibt man nix, läufts genauso. Trotzdem hab ich mich wieder breitschlagen lassen und dann auch noch bei einem Rumblend. OMG!

Emanuele Ingusci ist ein überall geschätzter Barmann/-chef, der in seinem Barroom v.a. dem Rumdrink (ob pur oder im Cocktail) huldigt. Das war auch die Grundlage für die Idee eine eigene Rumabfüllung auf den Markt - oder besser: in die Bars dieser Welt - zu bringen. Aber es sollte keine hochprozentige Einzelfassabfüllung für Rumnerds werden, sondern ein Schmeichler, der auch als Mixrum seinen Mann steht. Aha.
Der Ron Del Cantinero (Arbeitstitel: "Vom Barmann für den Barmann") steht nun bereit und wartet mit folgenden Fakten auf Connaisseure und Barkeeper: Er ist ein Blend aus vier verschiedenen Rums aus zwei Ländern und einer Portweininfusion. Eine Portweininfusion? - Ja, Moment noch. Zunächst noch zu den Rums: Der eine ist ein junger Rum aus Martinique, der andere Rums kommt aus der Dominikanischen Republik und ist bis zu 21 Jahre alt. Zusammen bilden sie den Grundstock der gesamten Kreation (No Solera übrigens). Verhältnis Rum-Portweininfusion: 80:20. Tawny Port wird mit Vanilleschoten, Kakaobohnen und einer Gewürzmischung (Zimtblüte, Ingwer, Sternanis, Piment, Bittermandel und Nelke) infusioniert und/oder gespiced (das können sie benamsen wie sie wollen) und diese Aromenbombe kommt dann zum Rumblend. Abgefüllt wird mit 40% Vol. in 0,5-Literflaschen. Nachgezuckert wurde nicht. Das Modern-Retro-Etikett passt zu Kakao und Vanille mit seinem dunkelbraunen Hintergrund und den verspielten Goldapplikationen und wird vom Portrait des Herrn Papa geziert. Eine gelungene Reminiszenz.
Nun ist Rum & Port keine neue Kombi und funktioniert ja schon als eigener simpler Drink ziemlich gut. Was kann also der Infused Rum? Zunächst ist er eine üppige, ja schon schwere, Bombe mit dunklen roten Früchten, natürlich auch Vanille (aber nicht auf die billige, vordergründige Art) und auch dunkle Schokolade (ach was), die den Taster zunächst ziemlich einnimmt. Blendmeister Mario Gallone hat aber volle Arbeit geleistet und die Komponenten in ein stimmiges Miteinander gebracht. Wenn auch keine überreifen Holznoten heraustreten, so ist das doch ein gelungenes Werk - nicht zu überladen, komplex, aber auch für Anfänger geeignet (die noch in der Süßrumphase stecken), nicht zu süß, schon gar nicht zuckrig. Andere Probanden schmeckten den Kakao heraus - wieder andere die Vanille. Logo.
Aber ist es auch ein Rum der mit seinem recht humanen Alkoholgrad auch genug Rückgrat hat, um im Mixed Drink nicht abzusaufen? Dass er ein feines Dessert abgibt oder gut zum Kaffee (nicht in den Kaffee!) passt, ist klar. Ein Allrounder von der Sunny Side Of The Street? Nun, im Old-Fashioned sollte man mit Zuckerzugabe vorsichtig sein. Ein Stückerl Orangenzeste passt aber schön. Der Rum Manhattan braucht nur trockenen Wermut und - so empfiehlt Maestro Emanuele: Aromatic Bitters. Stimmt, zunächst bestimmt trockener Kakao das Bild, dann tritt nach einigen Minuten der Noilly deutlicher zu Tage und das ganze wird ein herrlicher Dry Manhattan. Noch schnell ein Rum Sour: Die Formel mit frischen Orangensaft und Limette (6cl Rum, 3cl O-Saft, 3cl Limettensaft, 1cl Zuckersirup, ca. 1/2 Eiweiß) ergänzt prima die Schokonote und wird nicht zu langweilig. Bitters je nach Geschmack machen Sinn. Der Triobar-Rum-Sour (für mich nur mit einem Dash Zuckersirup) ist auch ok und das Glas (wen wunderts?) schnell leer.

Nun sitzt Herr Ingusci also auf 250 Flaschen Rum - äh Ron. Aber nicht nur. Der Cantinero reist in den nächsten Monaten von Zeit zu Zeit durch Deutschland, um Nicht-wad!-Bloglesern alles das zu verklickern, was Sie hier nachlesen konnten. Falls Sie also zu Weihnachten (oder anderen Gelegenheiten) noch Eierlikör oder Nahewein verschenken, mein Tip: Ron Del Cantinero - Infused Rum ist im Onlinefachhandel für 31,99 EUR zu haben. Gastronomiekunden wenden sich direkt an Emanuele Ingusci.